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Herbst 1989 in Erfurt 

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Einflussnahme von MfS, SED und staatlichen Einrichtungen
auf eine (nicht-kirchliche) Umwelt-Gruppe in Erfurt

aktualisierte und erweiterte Fassung vom 05. Dezember 2009 

mit Original-Stasi-Akten und einem Abkürzungsverzeichnis

 

Vorbemerkungen

Die nachfolgende Übersicht stellt die Überwachungsstrukturen und repressiven Maßnahmen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) im Hinblick auf eine Erfurter Umweltgruppe des Kulturbundes der DDR während der 1980er Jahre dar. 

Obgleich diese (nicht-kirchliche) Umweltgruppe lediglich öffentliche Diskussion und demokratische Teilhabe an der Umweltschutzpolitik der DDR eingefordert hat, gerieten deren Protagonisten bereits wenige Wochen nach Gründung dieser Interessengemeinschaft Umweltschutz/Umweltgestaltung (im Folgenden auch Umweltgruppe oder Erfurter Umweltgruppe genannt) unter den Verdacht der Politisch-Ideologischen Diversion (PID) und Politischen Untergrundtätigkeit (PUT) ins Blickfeld des MfS. 

Die umfassenden Überwachungs- und "Zersetzungs"-Maßnahmen zu besonders engagierten Personen sind auf mehrere Tausend Seiten umfassenden Unterlagen des MfS dokumentiert. Diese Dossiers stellen neben weiteren Archivmaterialien die hauptsächlichen Informationsquellen der nachfolgenden Ausführungen dar.

Diese Präsentation steht im Zusammenhang mit dem privat initiierten Forschungsprojekt "Untersuchung zu den Beziehungen zwischen MfS, SED,... zur Einflussnahme auf die Aktivität einer Umweltschutzgruppe", Tagebuch-Nr.: 024412/94Z. 

Diese Website wurde durch die Landeszentrale für Politische Bildung (Leiter: F.J. Schlichting) finanziell gefördert. Die Inhalte geben nicht die Ansicht der Landeszentrale wider. Für die Inhalte ist ausschließlich der Autor der Website (J.H.) verantwortlich.  

 

Interessengemeinschaft Umweltschutz/Umweltgestaltung (IG U/U): 

Ziele und Organisation

  • Wissensaneignung  

  • Öffentliche Diskussionen  

  • Umweltgestaltung  

  • Öffentliche Vorträge (2-wöchentlich)

  • Thematische Arbeitsgruppen 

  • Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen 

  • Projekte

  • Eigenfinanzierung

Projekte der Umweltgruppe

Die Projekte waren überwiegend den thematischen Arbeitsgruppen zugeordnet. Dabei wurde unter anderem darauf geachtet, dass die Projekte den Willen zur Veränderung der Umweltsituation deutlich machten und das die häufig geäußerte Kritik, daß gerade in den Umweltschutzgruppen nur geredet würde und nichts verändert werden könne, in diesem Falle nicht zutrifft. Damit sollte exemplarisch am Beispiel praktischer Umweltschutzprojekte gegen die landläufige Lethargie und Resignation in Bezug auf die Veränderbarkeit gesellschaftlichen Lebens in der DDR gearbeitet werden. Freilich kam es uns damals nicht ausschließlich auf die praktische Arbeit an, sondern auch auf die Einforderung des Rechts auf gesellschaftliche Teilhabe und die Einübung in - nach heutigem Sprachgebrauch - basisdemokratische Verhaltensweisen.

Der Versuch der Umweltgruppe durch praktische Umweltschutzprojekte die Einforderung politischer Rechte zu legitimieren wurde auch durch das MfS erkannt: "... die Aktivitäten der IG (gemeint ist hier die Umweltgruppe, Anm. d. Verf.) bezogen sich auch auf staatliche Umweltkonzepte (Flußfege, Bäume pflanzen, Kletterpflanzenaktion u.a.m.), um über die eigentlichen politischen Ziele hinwegzutäuschen und für diese größere Freiräume zu gewinnen." (OV Gewässer, S. 152). An anderen Stellen der MfS Berichte ist zu lesen: "Die IG segelt sozusagen unter fremder Flagge."

Die Flußfege und die Rasenmahd wurden vertraglich fixiert. Die so eingeworbenen Finanzmittel standen für Ausgaben der Umweltgruppe zur Verfügung. Dadurch war die Umweltgruppe im Gegensatz zu den anderen Gruppen des Kulturbundes im Hinblick auf die Mittelverwendung unabhängig vom Kulturbund. Auf dieser Grundlage beteiligte sich die Umweltgruppe durch den Beschluss der Mitglieder finanziell an der Spendenaktion der evangelischen Kirchen "Brot für die Welt", was aus heutiger Sicht banal erscheint, aus damaliger Sicht kurios anmutete, dass eine Gruppe der politischen Massenorganisationen der DDR sich an kirchlichen Spendenaktionen beteiligte.

Im folgenden sind einige Umweltprojekte der Gruppe aufgeführt.

  • Verhinderung der Begradigung der Schmalen Gera

  • Flußfege

  • Schornsteinkartierung

  • Vermeidung von Mülltonnenbränden

  • Ausstellungen

  • Fassadenbegrünung

  • Umweltbewusstes Heizen

  • Flechtenkartierung zur Bioindikation von Luftschadstoffwirkungen

  • Verstöße gegen das Wasserschutzgesetz aufdecken

  • Biotoppflege

  • Rasenmahd in Naturschutzgebieten

  • Aktivitäten anlässlich des Weltumwelttages

  • Biologische Schädlingsbekämpfung

  • Mitsprache bei Verkehrsplanung: 
    - Huttenplatz 
    - Nördlicher Stadtparkkopf 
    - Hirschgarten 
    - Andreasstraße

   

Diskussion mit staatlichen Einrichtungen

Eines der Ziele der IG Umweltschutz / Umweltgestaltung bestand in der Diskussion mit jenen, die Verantwortung für die Umweltschutzbelange in der DDR trugen.