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1989 in Erfurt
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zu Stasi-in-Erfurt
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Die Rolle der
Hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter
In der öffentlichen Diskussion spielen
die inoffiziellen Mitarbeiter (IM) die hauptsächliche Rolle. Dabei wird
übersehen, dass die IM in der Regel keinen Einblick in die Hintergründe
der MfS-Aktivitäten hatten und selbst nur einen kleinen und von dem
jeweiligen Führungsoffizier zuerkannten eigenständigen Aktivitätsraum
hatten. Die Planung dessen, wer, warum, wann und wie überwacht wurde,
oblag einzig den hauptamtlichen MfS-Mitarbeitern. Sie waren die
eigentlichen Drahtzieher und blieben dennoch stets im Hintergrund.
Scheinbar ist ihnen diese konspirative Attitüde – von einigen Ausnahmen
abgesehen – bis in die Gegenwart hinein gelungen.
Das öffentliche
Entsetzen über die Machenschaften der Stasi konzentriert sich auf die IM,
während die ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeiter gern die Rolle eines
‚normalen’ Geheimdienstmitarbeiters für sich reklamieren, die es ja
in jedem Lande gäbe und die natürlich auch in jedem Land mit
konspirativen Methoden arbeiteten und insgesamt zur politischen
Stabilität während des kalten Krieges beigetragen hätten.
Zu den Aufgaben der Hauptamtlichen
Mitarbeitern, die die Umweltschutzgruppe in Erfurt 'bearbeiteten’
gehörte:
-
Festlegung der zu überwachenden Personen
oder Personengruppen und Begründung
-
Erstellen von Maßnahmeplänen (siehe
Beispiele in der Anlage 03 und 04 )
-
Die
Hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter waren nicht nur Teil eines
beobachtenden Überwachungsapparates, sondern organisierten die
"Zersetzung" vermeintlich "feindlich-negativer"
Personen und intervenierten im Vorfeld von PUT und PID.
-
Einschleusung von IM in die
Umweltschutzgruppe und Gewinnung von IM
-
Steuerung der Umweltschutzgruppe durch
gezielte Beeinflussung von Kontaktpersonen der Umweltschützer (siehe
Dokumente des MfS in der Anlage 06)
-
Koordination aller Aktivitäten,
Überwachung der Planungen, Erfolgskontrolle und Bewertungen sowie
Schlussfolgerungen
Über 10 hauptamtliche MfS-Mitarbeiter
waren an der ‚Bearbeitung’ der Umweltschutzgruppe unmittelbar (im
Stasijargon 'operativ’) beteiligt (Eine Liste einiger beteiligten
MfS-Mitarbeiter ist unten aufgeführt). Jeder dieser MfS-Mitarbeiter hat
ein Netz von 5-12 IM geführt. Diese einzelnen IM-Netze arbeiteten
untereinander unabhängig. Diese Informationen wurden durch ad hoc
gebildete Koordinierungsgruppen zusammengetragen oder in dem Referat XX/A
der Bezirksverwaltung Erfurt (BV Erfurt) ausgewertet.
Zusätzlich zu den Auswertungen des Referates XX/A wurde speziell für die
Umweltgruppe zeitweilig eine zentrale Koordinierungsgruppe unter Leitung
des Leiters der Abteilung XX, Günter Stark, gebildet. Die gesammelten
Erfahrungen mit der Erfurter Umweltgruppe floßen in die Promotion von
Herrn Stark zum Thema "Operative Bearbeitung feindlich-negativer
Kräfte" auf der MfS-Hochschule Potsdam im Jahr 1989 ein.
Ausgewählte organisatorische Strukturen
des MfS in Erfurt
(gelb unterlegt sind die Organisationseinheiten, die mit
der Umweltgruppe direkt zu tun hatten; Stand: 1989)

Die Hauptamtlichen Mitarbeiter kamen
überwiegend aus der Abteilung XX des BVfS Erfurt sowie der
Kreisdienstelle Erfurt (KD Erfurt). Die Abteilung XX der BVfS Erfurt hatte
im Jahre 1988 etwa 50 hauptamtliche Mitarbeiter von denen 27 Mitarbeiter
selbst IM führten. Der Abteilung XX waren mit Stand 1988 430 IM
zugeordnet.
Die nachfolgende Liste fasst die MfS-Mitarbeiter zusammen, die
Mitte der 1980er Jahre mit der Erfurter Umweltgruppe in Verbindung zu
bringen sind. Darüber hinaus sind in der folgenden Liste jene Konspirativen Wohnungen (IMK/KW) angegeben, in denen sich der jeweils
IM-führende Mitarbeiter mit seinen IM getroffen hat. Während
der 1980er Jahre waren der Abteilung XX insgesamt 64 IMK/KW zugeordnet (nach
Ergebnisses der eigenen Recherche der F78 Straßenkartei; siehe dazu auch
den Beitrag zu IMK/KW in Erfurt.
IM-Führende MfS-Mitarbeiter (nicht
komplett)
|
MfS-Offizier
|
Geburtsdatum
|
Diensteinheit
|
IM
(Klarnamen)
|
Geheimer
Treffort
|
|
Alsen,
Hans-Uwe
|
17.05.1957
|
BVFS
XX/A
|
|
|
|
Becke,
Ronald
|
07.03.1957
|
BVFS
XX/1 bis 1987, dann OibE in Berlin
|
|
"Cramer",
Carmerstr. 48; "Hygiene", Juri-Gagarin-Ring 124;
"Brunnen", Anger 41; "Steiger", Reichardtstr. 12
|
|
Briesner,
|
|
|
|
|
|
Deckert,
Uwe
|
11.12.1960
|
BVFS
XX/1
|
|
|
|
Edelhof,
Burkhardt
|
16.07.1950
|
|
|
|
|
Ehmke,
Johannes
|
03.12.1958
|
BVFS
XX/6
|
|
|
|
Ehrsam,
Roland
|
|
BVFS
XX/7, XX/8
|
Renate
Greif
|
'Werner',
Berliner Str. 101, 'Herrmann', J-Gagarin-Ring 23
|
|
Friedrich,
Rolf-Günter
|
07.08.1951
|
BVFS
XX/7
|
Joachim
Baumbach
|
‚Arche’,
Marktstr.19
|
|
Hopfer,
|
|
BVFS
XX/2, XX/3
|
|
|
|
Hopfstock
|
|
|
|
|
|
Ludwig,
Peter
|
11.01.1939
|
KD
Erfurt
|
-1989
|
"Werder",
Moskauer Platz
|
|
Mank,
Jochen
|
24.03.1953
|
|
|
|
|
Mittelhäuser,
Gerhard
|
23.06.1955
|
BVFS
XX
|
|
|
|
Moser,
Roland
|
14.10.1937
|
BVFS
XVIII
|
|
|
|
Mörstedt,
Peter
|
26.04.1953
|
BVFS
XX/6
|
|
|
|
Penndorf,
Hilmar
|
07.06.1937
|
BVFS
XX
|
Dr.
Thomas Franke,
Dr. Michael Scholl
|
"Hygiene",
Juri-Gagarin-Ring 124
Geheimes Arbeitszimmer von H.P.
|
|
Pfeil,
Eckehart
|
13.04.1944
|
BVFS
XVIII
|
|
|
|
Schmidt,
P.
|
|
BVFS
XX
|
Dr.
Bernd Ponsold
|
"Burg",
Blosenburgstr. 3
|
|
Schuchart
|
|
KD
Erfurt
|
Ingrid
Moos
|
'Schiene’,
Bahnhofstr.1
|
|
Stieler,
Herbert
|
05.10.1951
|
BVFS
XX/2, XX/3
|
|
|
Leitende MfS-Mitarbeiter (nicht komplett)
|
MfS-Offizier
|
Geburtsdatum
|
Funktion
|
Zeit
|
|
Alsen,
Hans.Uwe
|
17.05.1957
|
Leiter
Ref XX/A
|
1985
- 1987
|
|
Boller,
Rolf
|
15.06.1933
|
Stellv.
BVFS
|
1972
- 1985
|
|
Bärwolf,
Arnfried
|
21.02.1947
|
Leiter
Ref XX/1
|
1979
- 1990
|
|
Schneeberg,
Bernd
|
12.05.1962
|
|
- 1990
|
|
Schwarz,
Josef
|
02.07.1932
|
Leiter
der BVFS Erfurt
|
1984
- 1990
|
|
Stark,
Günter
|
23.11.1947
|
Leiter
Abt. XX
|
1984(?)
- 1990
|
|
Stieler,
Herbert
|
05.10.1951
|
|
-
1990
|
Die hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter haben
die Pläne zur Zersetzung der "feindlich-negativen" Personen
ausgearbeitet. Sie haben die Misserfolgserlebnisse bei diesen "feindlich-negativen" Personen im beruflichen wie im privaten Bereich
geplant und organisiert.
Sie haben veranlasst, dass bestimmte gewünschte
Lehrstellen nicht an Mitglieder der Umweltgruppe vergeben wurden, sie
haben berufliche Umsetzungen über die Personalabteilungen
(Kaderabteilungen) veranlaßt, im heutigen Sprachgebrauch mobbing im
Berufsumfeld einer Lehrerin organisiert bis diese den permanenten Druck
den das MfS über den unmittelbaren Vorgesetzten (Schuldirektor der POS
45) ausübte, nicht mehr aushalten konnte und ihren Lehrer-Beruf aufgab,
Gerüchte über eheliche Untreue von Partnern der Protagonisten der
Umweltgruppe über die Vorgesetzten verbreiten lassen, weibliche IM in die
Umweltgruppe eingeschleust, um die männlichen Umweltschützer von ihrem
Engagement abzuhalten (als eine IM einen Umweltschützer im Jahre 1988
heiratete feierte das MfS die 'Neutralisierung' der 'feindlich-negativen'
Person als Erfolg ihrer Aktivitäten, der Umweltschützer nahm sich im
Jahre 1992 das Leben); die hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter veranlassten die
Verbreitung von Gerüchten, daß der Leiter der Umweltgruppe selbst IM sei
(ein Gerücht, dass sich übrigens erst nach der gemeinsamen Akteneinsicht
im Jahre 1993 auflöste). Mit Rücksicht auf die Betroffenen soll hier auf
die Darstellung von Details verzichtet werden.
Für die Umsetzung der Planungen der
hauptamtlichen Mitarbeiter bedurfte es zahlreicher willfähriger Gehilfen.
Dazu zählen die Inoffiziellen Mitarbeiter (IM), die zur Mitarbeit in der
Regel mit einer schriftlich fixierten Vereinbarung verpflichtet wurden,
aber auch die zahlreichen Erfurter Bürgerinnen und Bürger (481 während
der 1980er Jahre!), die bereitwillig ein Zimmer ihrer Wohnung oder einen
Büroraum ihres Arbeitsumfeldes dem MfS auf Anfrage zeitweilig überlassen
haben, damit hauptamtliche Mitarbeiter konspirativ in Kontakt mit ihren IM
treten konnten. Diese Personen, die die Konspirativität eines solches
Treffortes abgesichert haben, wurden ebenfalls schriftlich als
Inoffizielle Mitarbeiter verpflichtet; allerdings mit dem Zusatz IMK/KW
(siehe Abkürzungsverzeichnis).
Diese Liste von Personen, die willfährig
mit dem MfS zusammenarbeiteten ist zu ergänzen durch jene Personen, die
auf Grund ihrer beruflichen Stellung und Funktion direkt durch das MfS
angesprochen wurden, ohne jemals zu einer Mitarbeit direkt verpflichtet
worden zu sein. Zunächst wenden wir uns aber jenen Personen zu, die per
Verpflichtungserklärung für das MfS gearbeitet haben: den IM.
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