In eigener Sache
Aktuelles
In
jüngster Zeit mehren sich Vorgänge, bei denen Personen die Nennung ihres
Namens im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit für das MfS mit juristischen
Mitteln zu verhindern suchen. Der ehemalige Politoffizier einer
Grenzeinheit, der der letzte Mauertote, Chris Geoffrey, zum Opfer gefallen
war, wollte die Nennung seines Namens in diesem Kontext in einem Buch
verbieten lassen. Bei einer Ausstellung in der Gedenkstätte "Zum
Roten Ochsen" in Halle kündigten ehemalige Hauptamtliche Mitarbeiter des
MfS Klage an gegen die Ausstellungsmacher. IM Schubert aus Sachsen klagte gegen die
Nennung seines Namens bei der Ausstellung "Christliches Handeln in
der DDR", die maßgeblich durch den Dompfarrer i.R. Dr. Edmund
Käbisch erstellt wurde.
Auch
diese website war und ist von Klagen bedroht.
Die
Versuche mit rechtlichen Mitteln heute das Erinnern zu unterbinden oder
einzuschränken hat eine lebhafte und kontroverse öffentliche Debatte
hervorgerufen. Ein Kommentar des Herausgebers des Tagesspiegel, Hermann
Rudolph, am 09.04.2008 fasst wie folgt zusammen:
"…In
diesen Versuchen, die Öffentlichkeit zu zwingen, offenkundige
Verfehlungen nicht mehr zur Kenntnis zu nehmen, spürt man eine fatale
Tendenz, die DDR-Vergangenheit weich zu zeichnen. Denn in den neunziger
Jahren, als die DDR noch nahe war, wäre niemand auf solche Ideen
gekommen. Dass es heute möglich ist, muss alarmieren: Da wagt sich ein
Bewusstsein von unserer jüngsten Geschichte hervor, das man nur schamlos
nennen kann."
Dank
Im
Oktober 2007 wurden auf www.stasi-in-erfurt.de alle Adressen Konspirativer
Wohnungen (KW) in Erfurt während der 1980er Jahre veröffentlicht. In
diesem Zusammenhang wurde tendenziös in der Lokalpresse berichtet und
datenschutzrechtliche Bedenken zu dieser website vom Thüringer
Verwaltungsamt vorgetragen. Diese voreiligen Anfeindungen sind
mittlerweile ausgeräumt worden. Ich möchte mich an dieser Stelle für
die zahlreichen ermutigenden Zuschriften - insbesondere von Erfurter
Bürgerinnen und Bürgern sehr herzlich bedanken.
Herzlich danken möchte
ich auch den Erfurterinnen und Erfurtern, die heute in jenen Häusern und
Wohnungen leben, in denen sich die Stasi früher mit ihren geheimen
Informanten traf, und die selbst nie mit der Stasi zusammengearbeitet
haben. Die anfänglichen Befürchtungen, durch die Veröffentlichung der
Stasi-belasteten Adressen selbst unverschuldet in Misskredit zu kommen,
haben sich als haltlos erwiesen. Ohne die beherzte Stellungnahme der
Thüringer Landesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der
ehemaligen DDR, Frau Hildigund Neubert ("Ich betrachte dieses Projekt
als das Meine", Freies Wort v. 22.10.2007), wäre das Projekt in
wesentlichen Aspekten beschädigt worden. Die Vereinigung der Opfer des
Stalinismus (VOS) hat sich ebenfalls ausdrücklich hinter die
Internetseite zu den Stasi-Aktivitäten in Erfurt gestellt: "Wir
sehen mit großer Besorgnis, dass mit dem Argument des Datenschutzes in
letzter Zeit immer häufiger versucht wird, derartige Aktionen zu
unterbinden", teilte der VOS mit.
Datengrundlage
Die
auf stasi-in-erfurt.de dargestellten Daten und Informationen sind das
Ergebnis mehrerer Forschungsanträge des Betreibers der website (J.H.) an
die BStU, sowie die eigene Akteneinsicht. Die rechtliche Grundlage stellt das Stasi-Unterlagengesetz dar.
Finanzierung
Die
online-Suche nach den Konspirativen Wohnungen auf der google earth
Oberfläche ist mit 2500 € durch das Thüringer Kultusministerium im
Jahre 2007 gefördert worden.

Die
Darstellung der Zersetzung einer Erfurter Umweltgruppe durch die
Staatssicherheit ist mit insgesamt 1500 € in den Jahren 2006 und 2007
durch die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung finanziell
unterstützt worden.

Diese
wichtigen finanziellen Unterstützungen decken allerdings nur einen
kleinen Teil der mit dieser website angefallenen Aufwendungen ab.
Im
Juni 2009 feierte stasi-in-erfurt.de
den dritten Geburtstag.